Von Ngozi Utoh-Samuel, Vorstandmitglied des Vereins „Positive Life – Global Empowerment“, der sich in Hamburg für Bildungsgerechtigkeit engagiert. Sie ist Mitglied der Gemeinde „Wort des Glaubens“ in Hamburg-Tonndorf und engagiert sich dort in der Kinder- und Jugendarbeit.
Meine eigene Geschichte steht stellvertretend für viele Frauen mit Migrationsgeschichte: Mein Weg begann in Biafra und er hat mir gezeigt: Gott schreibt keine Lebensläufe nach Alter, Herkunft oder gesellschaftlichen Erwartungen. Obwohl mein nigerianischer Hochschulabschluss in Lebensmitteltechnologie nicht anerkannt wurde, ich mich in Deutschland beruflich völlig neu orientieren und zugleich für meine Familie sorgen musste, habe ich mich nicht entmutigen lassen. Ich erkämpfte mir einen akademischen Abschluss und baute ehrenamtlich meinen Verein auf, um Menschen mit meiner Migrationsgeschichte zu empowern und das Zusammenleben in unserer Zivilgesellschaft zu stärken.
Der Weltgebetstag, den wir in zwei Wochen feiern, stärkt uns Frauen, indem er unsere Stimmen, Erfahrungen und Glaubenszeugnisse weltweit hörbar macht. Er fördert Solidarität über Ländergrenzen hinweg, schafft Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten und ermutigt Frauen und Mädchen, ihre Rolle in Kirche und Gesellschaft aktiv zu gestalten. Zugleich ist es wichtig für die Menschen in Deutschland zu sehen, dass ein zu einseitiges Bild von Nigeria in der Öffentlichkeit gezeichnet wird: Das Land ist kulturell, religiös und gesellschaftlich vielfältig, wirtschaftlich dynamisch und reich an Kreativität, Unternehmergeist und zivilgesellschaftlichem Engagement. Millionen Menschen gestalten ihr Land aktiv und verantwortungsvoll – trotz der großen Herausforderungen.
In meiner Community ist die Kirche auch hier in Deutschland eine zentrale gesellschaftliche Institution. Sie bietet nicht nur spirituelle Orientierung, sondern auch soziale Unterstützung, Bildung und Gemeinschaft. Gerade für Menschen mit internationalen Wurzeln sind ihre Kirchen in Deutschland häufig Orte der Identität, Vernetzung und gegenseitigen Hilfe. Sie schlagen Brücken zwischen Herkunft und neuem Lebensumfeld.