Was uns bewegt: Pastorin Christianne-Ellen Arnold-Lombogia, November 2025 Weinen, Zweifeln, Angst oder Stille: Gott ist gegenwärtig

Pastorin Christianne-Ellen Arnold-Lombogia begleitet zeitweise die Indonesische Gemeinde Perki in Hamburg. Die Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in den Räumen der Evangelischen Reformierten Kirche in der Hamburger Innenstadt. Pastorin Lombogia arbeitet im Asklepios Klinikum Nord.

Pastorin Christianne-Ellen Arnold-Lombogia

In der letzten Woche des Kirchenjahres ist Totensonntag. Auch wenn es viele verdrängen, ist das Thema Tod nicht fern von unserem Leben, sondern ein Teil davon. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, sind wir traurig, fühlen uns verloren und können das Geschehene vielleicht nicht akzeptieren.

Ich denke an eine junge Frau, die im Sterben lag, eine Mutter, die gegen ihre Krankheit kämpfte und verlor, einen Mann nach einem Arbeitsunfall und einen Patienten, dem ein Bein amputiert werden musste.

ln solchen Situationen merke ich, dass Kranke und auch Hinterbliebene Trost und Kraft brauchen. Seelsorge heißt hier, ihrem Leid und ihren Ängsten zuzuhören und Mitgefühl zu zeigen.

So kenne ich das aus meiner Heimat Indonesien: Für Familien, die einen geliebten Menschen durch den Tod verloren haben, wird zu Hause eine Trauerfeier gehalten.  Es versammeln sich Verwandte, Arbeitskollegen, Freunde und Nachbarn, unabhängig von ihrer Religion, hören das Wort Gottes, beten und bitten gemeinsam Gott um Kraft. Wir glauben durch Jesus Tod und seine Auferstehung, dass selbst der Tod uns nicht von seiner Liebe trennen kann. Das gibt uns Hoffnung.

Hier in meiner Arbeit begegne ich vielen Menschen, die einsam sind. Sie haben manchmal keine Freunde, keine Familie. Sie leben und kämpfen alleine. Und wenn sie krank sind, ist niemand da, der sie begleitet, mit dem sie sprechen können oder der sie besucht. Immer wieder begegnen mir in den Gesprächen dann existentielle Fragen: Nach Einsamkeit, dem Sinn des Lebens, Beziehungen, die wichtig sind, nach Halt und auch Hoffnung trotz einer schwierigen Situation.

Kraft gibt mir dann die Geschichte von Lazarus: Maria und Martha weinten und trauerten um ihren gestorbenen Bruder Lazarus. Jesus verstand ihre Trauer und ihren Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen. Jesus selbst begegnete immer wieder kranken und leidenden Menschen. Er stärkte, tröste und heilte sie - ohne Vorurteile und gab ihnen neue Hoffnung.

Diesen Auftrag sehe ich auch in meiner Seelsorgearbeit im Krankenhaus. In den Seelsorgegesprächen erlebe ich, dass in jedem Weinen, Zweifeln oder den Ängsten, aber auch in jeder Stille Gott in uns gegenwärtig ist. Seine Barmherzigkeit und seine Liebe zu den Menschen treiben mich an und geben mir täglich neue Kraft für diese auch herausfordernde Arbeit.